Friday, September 3rd 2010, 9:15am UTC+2
You are not logged in.
Dear visitor, welcome to HSV-Forum. If this is your first visit here, please read the Help. It explains how this page works. You must be registered before you can use all the page's features. Please use the registration form, to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.
Quoted
"Der hat ja nichts gemacht! Note vier!"
Der Außenverteidiger, das unbekannte Wesen: Nationalspieler Marcell Jansen über seine unterschätzte Rolle, falsche Bewertungen und das Zusammenspiel mit Franck Ribéry.
Interview: Christof Kneer
SZ: Herr Jansen, darf man Ihnen schon gratulieren?
Jansen: Gratulieren wozu?
SZ: Sie sind neuerdings Stammspieler in den beiden wichtigsten deutschen Fußballmannschaften - in der Nationalelf und beim FC Bayern.
Jansen: Stammspieler ist ein schwieriger Begriff, das ist ja was Langfristiges. Wenn ich meine Laufbahn mal beendet habe, kann ich mich vielleicht zurück-lehnen und sagen: Ich war Stammspieler.
SZ: Bei der WM 2006 waren sie noch der sogenannte Back-Up von Philipp Lahm, mit anderen Worten: Sie waren der klassische Ersatzspieler, der als Zuckerl am Ende noch einen Einsatz im Spiel um Platz drei abgekriegt hat.
Jansen: Das war ein wichtiges Spiel! Wenn ich zurückschaue, werde ich später mal sagen können: Ich war dabei, als wir eine Medaille gewonnen haben!
SZ: Sie denken ja sehr langfristig.
Jansen: Im Gegenteil, ich denke kurzfristig, weil ich erlebt habe, wie schnell alles gehen kann. Vor kurzem war ich noch ein Jungspund in Gladbach, jetzt bin ich Nationalspieler. Ich habe gelernt, das Aktuelle nicht überzubewerten. Ich freue mich über den Stammspieler - aber ich leite keine Karriere daraus ab.
SZ: Eine Weile war es ja fast eine Karrieregarantie, Linksverteidiger zu sein. Es wurde jeder Nationalspieler, der diese Position halbwegs konnte: Heinrich, Bode, Tarnat, später Rahn oder Rau. Jetzt gibt es plötzlich eine große Auswahl hochqualifizierter junger Linksverteidiger: Marcell Jansen, Philipp Lahm, Christian Pander. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Jansen: Ich glaube, dass in der Nachwuchsarbeit inzwischen viel mehr Wert auf die Außenverteidiger-Position gelegt wird. Die wird im internationalen Fußball immer wichtiger: Die Abwehrbollwerke sind so perfekt, da kommt man oft nur noch mit Flügelspiel durch. Dazu braucht man gute Außenverteidiger.
SZ: Haben Sie das Gefühl, dass diese Erkenntnis in der Öffentlichkeit schon angekommen ist?
Jansen: Wenn ich ehrlich bin: nein. Ich glaube, dass man sich in Deutschland bisher viel zu wenig mit dem rechten oder linken Verteidiger befasst hat. Ich behaupte, dass vielen Leute das Rollenprofil gar nicht klar ist.
SZ: Das müssen Sie erklären.
Jansen: Der Begriff sagt es doch schon: In erster Linie sind wir Verteidiger. Als ich in Gladbach anfing, haben die Leute gesagt: Guck mal, ein echter Gladbacher Jung, wie der marschiert! Wenn ich von fünf Flanken vier hinters Tor gehauen habe, war das auch egal. Dann kam einmal Altintop über meine Seite, der war damals in Kaiserslautern und Führender der Torjägerliste, und ich war so stolz, dass ich ihn ausgeschaltet habe. Am nächsten Tag schaue ich in die Zeitung, und was sehe ich? Note vier!
SZ: Und was sagt Ihnen das?
Jansen: Ein moderner Außenverteidiger muss auch Qualitäten nach vorne haben, aber es darf nicht so sein, wie es oft dargestellt wird: Spielt der Außenverteidiger normal, kriegt er die Note drei, und wenn er eine einzige Flanke reinhaut und der Stürmer hat zufällig einen guten Tag und trifft, kriegt der Außenverteidiger eine Zwei. Wenn du aber die gleiche gute Flanke fünfmal schlägst und der Stürmer semmelt den Ball fünfmal drüber, kriegst du wieder eine Drei. WeilÂ’s kein Assist war! Aber was hab ich denn mit der Leistung des Stürmers zu tun? Ich will, dass meine Arbeit bewertet wird, und nicht das, was andere draus machen.
SZ: So gesehen, müssen Sie darauf achten, dass Sie immer mit guten Stürmern in einer Mannschaft spielen...
Jansen: Ja, aber das ist doch eigentlich zum Lachen, oder? Wenn ich eine schlechte Flanke schlage und drei Abwehrspieler rutschen aus und mein Stürmer trifft nur deswegen - kriegÂ’ ich dann eine Zwei? Diese Zwei will ich gar nicht!
SZ: Kann es sein, dass der Außenverteidiger jene Position ist, von der die Öffentlichkeit - außer vom Torwartspiel - am wenigsten Ahnung hat?
Jansen: Das ist definitiv so. Auf dieser Position besteht die Kunst darin, richtig zu dosieren: Wie oft gehe ich vor, wann bleibe ich hinten? Das ist auch das, was ich jeden Tag immer weiter lerne.
SZ: Wie sehr hilft es Ihnen da, in einer funktionierenden Bayern-Elf zu spielen?
Jansen: Das hilft extrem. Wenn man einen Spieler wie Ribéry vor sich hat, dann weiß man, dass der Ball wahrscheinlich ankommt, wenn man mal marschiert. Und genauso weiß man, dass man auch mal hinten bleiben kann, weil denen da vorne schon was einfallen wird.
SZ: Beim FC Bayern spielen Sie defensiver als sonst. Liegt das daran, dass Sie auf der wilden Seite spielen, mit Ribéry, Schweinsteiger, manchmal Zé Roberto?
Jansen: Wenn ich da auch noch nach vorne rase, dann wirdÂ’s ja vogelwild. Ich muss mehr absichern, klar, aber dann heißt es gleich wieder: Der Jansen, der hat ja nichts gemacht. Note vier!
SZ: Im Moment heißt es, Sie seien nicht besonders in Form.
Jansen: Das ist genau das, was ich meine. Aber wie viele Tore hat die Bayern-Abwehr denn bisher kassiert? Drei! Zur Abwehr gehören nicht nur Innenverteidiger, da gehören auch zwei Außenverteidiger dazu. Völlig außer Form kann ich schon mal nicht sein.
SZ: Fühlen Sie sich im Moment ein bisschen falsch bewertet?
Jansen: Zumindest wundere ich mich manchmal, wenn ich ,,Form-Checks‘‘ oder Ähnliches in Zeitungen lese. Wenn einer wie Ribéry vor mir spielt und ich habe drei gefährliche Vorstöße pro Spiel und ansonsten meine Seite im Griff - was soll daran nicht okay sein? Und diese drei Vorstöße hatte ich bisher in jedem Spiel.
SZ: Ist diese Saison beim FC Bayern für Sie eine Art Ausbildungsjahr auf höchstem Niveau?
Jansen: Die erste Ausbildungszeit war Gladbach, mit Druck, Abstiegskampf und vollem Haus. In München kommt jetzt die nächste Ausbildungsphase, in der ich den Sprung auf die internationale Ebene schaffen will.
SZ: Aber Ihr wahres Karriereziel ist, dass künftig alle Menschen verstehen, was ein Außenverteidiger zu tun hat.
Jansen: Das wäre ein Traum.
Quoted
Wird der Einfluß der Trainer gemeinhin über- oder unterschätzt?
In der Regel wird er überschätzt. Ich kenne wenige Trainer, die aus Scheiße Butter machen können. Doch acht bis zwölf Prozent der Arbeit, dort, wo ein direkter Einfluß besteht, kann ein Trainer besser oder schlechter machen. Und diese acht bis zwölf Prozent können manchmal viel bewirken.
FAZ.Net
Quoted
...
Meyer: Ich kann nur sagen, dass ich Zeit meines Lebens Vorstellungen vom Fußball hatte und dass ich versuche, diese Vorstellungen übers Training mit der Mannschaft umzusetzen. Mir wird in diesem Geschäft zu viel über Selbstverständlichkeiten diskutiert: Wir reden viel zu viel über Fitness, über Ausdauer, über Zweikämpfe. Darüber gibt es doch gar nichts zu diskutieren, das ist doch die Grundlage von allem. Wir reden aber viel zu selten über das Ursprünglichste: über funktionelle Technik - und vor allem: über Taktik.
SZ: Aber es wird doch ständig über Taktik gesprochen: über Viererketten, Doppelsechsen und Konzeptfußball.
Meyer: Diese Taktik meine ich nicht. Ich verstehe Taktik nicht im Sinne von Systemzwängen, sondern im Sinne einer individuellen taktischen Schulung. Ich meine die Dinge, die überall auf der Welt gelten: Wenn ein Rechtsaußen auf seinem Flügel steht, und der Mittelstürmer rennt da auch noch hin, dann haben Sie auf zehn Quadratmetern zwei Spieler, anders gesagt: Einer rennt da hin, wo der andere schon steht. Das ist in der Bundesliga genauso falsch wie in Italien oder China. Achten Sie mal drauf, wie erschreckend häufig das in den höchsten Ligen passiert. Oder: Zwei Spieler laufen ihren Gegenspielern kreuz und quer hinterher, weil sie nicht erkennen, dass sie nur die Gegenspieler hätten tauschen müssen - jeder hätte nur ein Schrittchen machen müssen. Spielsituationserkennung, räumliches Sehen, Gespür für die Situation: Das ist Taktik! Die Spieler sind da einfach zu unterschiedlich ausgebildet.
SZ: Anders gesagt: Sie wollen das Verständnis des Einzelnen für Taktik schärfen, damit am Ende die ganze Mannschaft besser wird.
Meyer: Nur so herum geht es. Man kann nur eine Mannschaft besser machen. Einzelne Spieler kann ich nicht besser machen, im Männerbereich.
SZ: Jetzt kokettieren Sie aber.
Meyer: Das ist mein völliger Ernst. Wenn Trainerkollegen behaupten, sie hätten diesen oder jenen Spieler besser gemacht, dann ist das totaler Unfug - zumindest, wenn der Spieler 25, 26 oder 27 Jahre alt ist. Die sind fertig, in ihren Möglichkeiten total festgelegt, das Talent können Sie nicht mehr beeinflussen. Sie können den Spieler aber in einen anderen Zusammenhang bringen.
SZ: Das heißt: ihn besser machen, indem er die richtige Aufgabe im richtigen System bekommt?
Meyer: Man muss die Spieler so ins Team einbauen, dass am Ende eine Balance entsteht. Wenn ich als Trainer bei Real Madrid erkenne, dass mein wichtigster Spieler für die Erfolgstaktik nicht Zidane und auch nicht Figo, sondern Makelele ist, dann darf ich den nie gehen lassen. Als Makelele dann weg war, wurden die Stars zehn Prozent schlechter - obwohl sie nach wie vor die gleiche Klasse hatten. Mit Makelele hat die Mannschaft Balance und Stabilität verloren.
SZ: Der Club ist der stabilste Bundesligist: erst fünf Niederlagen, alle sehr knapp. Kommt diese Stabilität aus dem klar definierten Spielsystem?
Meyer: Vielleicht. Aber Menschen, die noch kritischer sind als Sie, könnten natürlich auch fragen: Ist der Club mit seinem klaren System nicht sehr ausrechenbar?
SZ: Ist der Club mit seinem klaren System nicht sehr ausrechenbar?
Meyer: Gute Frage! Also, es ist ohne Zweifel so, dass unser Spiel gut zu erkennen ist...
SZ: ... Galasek und Mnari erobern im defensiven Mittelfeld den Ball, spielen steil auf Mittelstürmer Schroth, der mit dem Rücken zum Tor stehend den Ball auf die Flügel verteilt, wo die Außenstürmer Vittek und Saenko losflitzen...
Meyer: ... die eigentlich gar keine klassischen Außen sind wie die Holländer Robben und Overmars oder Cristiano Ronaldo von Manchester. Solche Typen habe ich nicht, ich spiele aber trotzdem 4-3-3, weil ich der Auffassung bin, dass wir dadurch rationeller spielen können. Wir sind auf dem Platz verteilt für ein sinnvolles Positionsspiel.
[url=http://www.sueddeutsche.de/,tt6m5/sport/dfbpokal/artikel/319/110209/]SZ.de[/url]
Quoted
:arrow: Der Weg ist nicht richtig"
Vorbemerkungen
Im Unterschied zum Fachgespräch verläuft ein
Interview häufig in einem zeitlich limitierten
Rahmen. Antworten auf vorformulierte Fragen
werden dabei notiert und abgehakt.
Ein Vorteil ist, daß der Fragesteller die Informationen
bekommt, die er vor dem Interview
angestrebt hat – sofern der Interviewpartner
bereit oder in der Lage ist, diese zu liefern. So
weit, so gut. Allerdings kratzen Interviews daher
manchmal inhaltlich nur an der Oberfläche,
das sogenannte „Nachhaken“ entfällt,
da der Fragenkatalog „abgearbeitet“ werden
soll.
...
Unterschätzen des Gegners
Aber Bayern München habe doch wahrscheinlich
die Borussia am 1. Spieltag unterschätzt?
Das könne er nicht beurteilen, immerhin habe
seine Mannschaft auch sehr gut gespielt, so
Meyer. „Doch Fußballspieler sind zuerst Menschen
und keine Maschinen, bei denen nur ein
Schalter umgelegt werden muß. Es ist manchmal
nicht zu verhindern, daß ein Spieler den
Gegner unterschätzt.
...
„Wettkampf-Coaching ist
auch von der psychischen
Verfassung der Spieler
abhängig.“
Gleichwohl sieht Meyer durchaus Steuerungsmöglichkeiten
für den Trainer. Diese beschränken
sich jedoch vornehmlich auf punktuelle
Anweisungen an einzelne Spieler oder
Positionsgruppen, die in bestimmten Spielsituationen
umgesetzt werden können. Zwar
können auch mannschaftstaktische Anordnungen
an ausgewählte Spieler weitergegeben
werden, doch die Fähigkeit, diese auch anwenden
zu können, sei zumeist von deren psychischer
Verfassung abhängig: „Selbstbewußte
Spieler schaffen es, zweifelnde und mit sich
selbst unzufriedene Akteure scheitern – unabhängig
davon, ob der Trainer draußen an der
Linie herumtanzt oder nicht.“
...
System und Taktik
Meyer favorisiert das 4-3-3- System
mit Viererkette und vorgeschobenen
Scheibenwischer bei
gegnerischem Ballbesitz, der jedoch
auch hohe Qualitäten in
der Spieleröffnung aufweisen
muß.
Die Flexibilität dieses Systems beweist sich
auch darin, daß die beiden Außenstürmer in
der Defensive je nach Spielsituation zurückfallen
und so die 4-3-3-Ordnung in ein 4-5-1 verändern.
Viel wichtiger als alle Bemühungen,
Spielkonzeptionen durch Zahlenkombinationen
zu charakterisieren, ist für Hans Meyer die
Fähigkeit der Spieler, den situativen Anforderungen
des Spiels die richtigen Antworten und
Lösungsmöglichkeiten entgegenzusetzen. Mit
zwei Außenverteidigern und einem variablen,
hinter- und/oder nebeneinander agierenden
Innenverteidigerpaar sind Breite und Tiefe des
Raums in der Defensive optimal besetzt, um
Ball und Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten.
Gleiches gilt für den eigenen Ballbesitz in der
Offensive: Durch die Ballorientierung befindet
sich jeder Spieler nach Balleroberung nahe der
Position, die seinen Fähigkeiten entspricht
und kann diese schnellstens wieder einnehmen.
Somit wird der gesamte zur Verfügung
stehende Spielraum in Breiten- und Tiefenstaffelung
ausgenutzt, die Positionen stehen jeweils
in einer für sicheres Kombinationsspiel
optimalen Dreiecksform zueinander.
...
Trainingslehre
...„Wir – und damit meine ich die Sportwissenschaftler
in der früheren DDR – haben in der
Trainingslehre den Fehler gemacht, den Fußball
in seine Einzelteile zu zerlegen und diese
einzelnen Komponenten gesondert zu trainieren.
Wir erforschten alles, zergliederten es und
wollten es dann wieder wie ein Puzzle zusammenfügen.
Wir hatten damals den auch hierzulande bekannten
DDR-Nationalspieler und Torjäger
Achim Streich – ein Mann, der ähnlich wie
Gerd Müller bei Bayern Tore wie am Fließband
schoß. Leider aber hatte er es nicht so mit der
Ausdauer, die schon damals regelmäßig in
Leistungstests ermittelt wurde. Seine Werte
beim damals üblichen Coopertest lagen bei
3080 Meter. Also mußte Achim im Sondertraining
nach individueller Vorgabe Ausdauereinheiten
schieben, um wenigstens auf 3200 Meter
zu kommen. Aber wozu braucht ein
Strafraumspieler hohe Ausdauerwerte?
...
„Deutsche Spieler sind
technisch
nicht schlechter als die
anderen.“
Ich meine auch nicht, daß unsere
Nationalspieler den Engländern, Franzosen
und anderen technisch unterlegen sind!
Dort sehe ich keine Unterschiede. Ein Ballack
oder Deisler kann den Ball vielleicht genauso
gut annehmen wie ein Zidane! Aber: Die meisten
deutschen Spieler haben nicht gelernt,
diese Technik unter höchstem Gegnerdruck
und in jeder Spielsituation effektiv anzuwenden,
den richtigen Paß im richtigen Moment
zu spielen!
...
Spielsysteme im Jugendfußball
Hans Meyer plädiert im Jugendfußball für das sogenannte „Ajax-System“.
Entgegen einer weitverbreiteten Auffassung handelt es sich hier
nicht um eine Viererkette, sondern eine Dreierkette mit vorgeschobenem
Libero, der im defensiven, zentralen Mittelfeld die Aufgaben eines
Scheibenwischers verrichtet (Abb.2).
„Ich wundere mich immer, wenn ich Jugendmannschaften im 3-5-2 mit
einem ausputzenden, sogenannten Libero sehe. Die Manndecker dürfen
nicht über die Mittellinie, können aber ruhig Fehler machen, weil hinter
ihnen immer die „Feuerwehr“ steht!
Wieviel Jugendmannchaften gibt es in Deutschland? Ich kenne nicht die
genaue Zahl, aber nehmen wir einfach einmal 100.000 an. Wenn jede
dieser Mannschaften ohne Ausputzer, sondern mit Scheibenwischer
spielen würde, hätten wir 100.000 Kinder mehr, die in jedem Spiel dazulernen
würden:
Mehr Ballkontakte, mehr Zweikämpfe, mehr Offensiv- und Defensivaktionen.
Hinzu kämen die beiden Manndecker, also 200.000 Kinder zusätzlich,
die Verantwortung übernehmen müßten und lernen würden,
wann sie den Zweikampf bestreiten, wann sie im Raum bleiben müßten.
Diese Zahl von lernintensiven Spielen für 300.000 Kinder ließe sich noch
steigern durch das Spiel mit drei Spitzen!
Das würde bedeuten: Weitere 10.000 Kinder lernen Offensivverhalten,
zuzüglich des bisherigen Ausputzers auf der Gegenseite. Genauso würden
die anderen Spieler davon profitieren: Ihre Aktionen erfahren eine
höhere Gewichtung!
Quoted
SPIEGEL ONLINE - 19. Oktober 2007, 12:22
URL: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,511917,00.html
BOCHUMS PFERTZEL
"Die Ultras kommen in die Kabine"
Wie Luca Toni wechselte er aus Italien nach Deutschland: Der Elsässer Marc Pfertzel vom VfL Bochum erzählt vor dem Spiel gegen den FC Bayern im SPIEGEL-ONLINE-Interview über Taktik-Training, aufdringliche Fans und katastrophale Zustände in der Serie A.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind im August von AS Livorno zum VfL Bochum gekommen, worin besteht für Sie der größte Unterschied zwischen der Serie A und der Bundesliga?
Marc Pfertzel: Deutschland ist viel professioneller. Unser Trainingsplatz und unsere Kabinen in Bochum sind fantastisch im Vergleich zu dem, was ich aus Livorno kannte. Da war es amateurhaft. Für Milan oder Inter mag das nicht gelten, aber bei den kleineren Klubs ist der Unterschied zwischen Deutschland und Italien riesig.
Bochumer Pfertzel (hinten): "Deutschland ist viel professioneller"
Getty Images
Bochumer Pfertzel (hinten): "Deutschland ist viel professioneller"
SPIEGEL ONLINE: Gilt das auch für den Fußball?
Pfertzel: Es sind zwei unterschiedliche Arten zu spielen. In Deutschland geht es viel schneller nach vorne und es wird viel mehr gekämpft, in Italien dagegen wird wesentlich mehr Wert auf Taktik gelegt. Da haben es die Gegner schwer, wenn man 1:0 führt, und nach einem 2:0 ist das Spiel vorbei.
SPIEGEL ONLINE: Wurde auch mehr Taktik trainiert?
Pfertzel: Manchmal so viel, dass einem der Kopf brummte. Mittwochs haben wir nie den Ball gesehen. Am Morgen gingen wir in den Kraftraum und nachmittags haben wir auf dem Platz mit Figuren trainiert. Die wurden vom Trainer in den Rasen gesteckt und dann mussten wir uns entsprechend verschieben. Die rote Figur sollte Maldini darstellen, also haben wir geübt, wohin wir laufen müssen, wenn er am Ball ist. So ging das den ganzen Nachmittag, und hinterher gab es noch Videostudium.
SPIEGEL ONLINE: War das bei allen Trainern so?
Pfertzel: Mehr oder weniger, und ich hatte sieben Trainer in vier Jahren, darunter den jetzigen Nationaltrainer Roberto Donadoni. Sie haben ihn gefeuert, obwohl wir im Februar auf dem fünften Tabellenplatz standen. Für mich war es besonders schade, denn er hat jeden Tag nach dem Training mit mir flanken geübt. Aber unser Vereinspräsident konnte sehr ungeduldig sein.
SPIEGEL ONLINE: Die Fans in Livorno gelten als sehr fanatisch.
Pfertzel: Das kann man wohl sagen. Für die Leute in Italien ist Fußball wie Religion, aber in Livorno ist es noch spezieller. Dort sagen sie: "Ich bin kein Italiener, ich bin Livornesi."
SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet das für die Spieler?
Pfertzel: Es gibt viel größeren Druck durch die Zuschauer. In der Woche vor einem Derby kann man nicht ausgehen, weil die Ultras sagen: "Wenn wir dich vor dem Spiel in der Disco sehen, machen wir dich fertig."
SPIEGEL ONLINE: Wie teilen sie das den Spielern mit?
Pfertzel: Vor solchen wichtigen Spielen kamen die Ultras sogar in die Kabine und hielten Ansprachen. Sie sagten, dass sie uns genauso kämpfen sehen wollen, wie sie gegen die anderen kämpfen würden. Livornos große Rivalen sind Pisa, weil das in der Nähe liegt, und Lazio Rom aus politischen Gründen. Die haben rechte Fans, während die Ultras von Livorno Kommunisten sind.
SPIEGEL ONLINE: Wie war es, wenn sie ihr Spiel trotzdem verloren haben?
Pfertzel: Wenn die Ultras das Gefühl hatten, die Mannschaft hat zu wenig gekämpft, haben sie sich beim Training beschwert.
SPIEGEL ONLINE: Wie fanden Sie das?
Pfertzel: Ich hatte persönlich nie ein Problem, weil ich meine Arbeit immer sehr professionell mache. Aber ich finde es nicht gut, wenn Fans die Spieler so unter Druck setzen. Oder wenn sie sich in die Aufstellung einmischen. In meiner ersten Saison sind sie einmal sogar zum Hotel gekommen, um den Einsatz eines Spielers zu fordern. Der Coach hat sich geweigert und drei Tage später wurde er gefeuert.
SPIEGEL ONLINE: Am Samstag werden Sie mit Luca Toni einen Bekannten aus der Serie A wiedertreffen ...
Pfertzel: ... aber nicht nur ihn. Gegen Ribery habe ich auch schon gespielt, in der dritten französischen Liga. Er war bei Olympique Alès und ich bei Sète 34.
SPIEGEL ONLINE: Konnte man da schon sehen, wie gut er mal werden würde?
Pfertzel: Tja, er war schon gut, aber das war auch in der dritten Liga. Manchmal ist es schon erstaunlich, wie sich Karrieren entwickeln. Also vielleicht spielt gerade irgendwo in der Regionalliga der neue Beckenbauer und muss wie Franck nur entdeckt werden.
SPIEGEL ONLINE: Wie haben sie Luca Toni erlebt?
Pfertzel: Er ist ein so toller Stürmer, der trotz seiner Größe sehr gut Fußball spielt. Und er holt viele Bälle mit der Brust herunter, die andere nur köpfen können. Aber viermal habe ich gegen ihn gespielt und immer haben wir gegen den AC Florenz gewonnen!
SPIEGEL ONLINE: Dann sollte Sie ihr Trainer wohl am besten gegen die Bayern einsetzen.
Pfertzel: Ja, das wäre gut.
Das Interview führte Christoph Biermann
Quoted
FUSSBALL
"Ein dickköpfiges Bambi"
Miroslav Klose, 29, Stürmer des FC Bayern München und der Nationalmannschaft, über lang anhaltende Torflauten, hässliche Gerüchte und junge Kollegen, die niemals mit einem Kleinwagen zum Training vorfahren würden.
ANZEIGE
SPIEGEL: Herr Klose, Sie haben ein merkwürdiges Jahr hinter sich: Bis zum Sommer spielten Sie für Werder Bremen, trafen zuletzt selten und steckten in einer tiefen Krise. Inzwischen stehen Sie in der Torschützenliste oben und sind wieder ein gefeierter Star des FC Bayern und der Nationalmannschaft. Können Sie sich das erklären?
Klose: Der Wechsel zum FC Bayern war die absolut richtige Entscheidung, und das gilt nicht nur für die sportliche Seite. Ich bin ein Familienmensch, und für mich ist es ganz wichtig, dass sich meine Frau und meine Kinder wohl fühlen. Der FC Bayern hat sich super um uns gekümmert. Jetzt wohnen wir in einem schönen, ruhigen Haus, wir haben Freunde gefunden und genießen das Leben.
SPIEGEL: In Ihren letzten Monaten in Bremen haben Sie das Leben nicht mehr genossen?
Klose: Das kann man so sagen.
SPIEGEL: Warum nicht?
Klose: Weil etwas passiert ist, das mich sehr mitgenommen hat. Aber das ist vorbei.
SPIEGEL: Es gab im Frühjahr Gerüchte, Ihre Frau bekomme von einem Mannschaftskameraden bei Werder Bremen ein Kind.
Klose: Da wurden in Presseberichten Lügen und Falschmeldungen über meine Familie verbreitet. Das muss man sich alles mal vorstellen - dabei war und ist meine Frau gar nicht schwanger.
SPIEGEL: Sie hätten sich wehren können.
Klose: Das bringt nichts. Diese Leute haben keinen Respekt. Das war das Widerlichste, was mir und meiner Familie jemals passiert ist, das hat mit Fußball nichts zu tun.
SPIEGEL: Stattdessen haben Sie seit dem Wechsel nach München, abgesehen von Pressekonferenzen oder kurzen Gesprächen mit den Journalisten nach Spielen, keine persönlichen Interviews mehr gegeben. Das war eine Art Medien-Protest?
Klose: Man muss vielleicht auch mich mal verstehen. Wenn die Familie ohne Grund so respektlos angegriffen wird, hat man keine Lust mehr, nette Interviews zu geben. Aber letztendlich kann man sich nur wehren, indem man sagt: Ich rede mit genau den Zeitungen nicht mehr, die diese Lügen verbreitet haben. Dass die jetzt einen Runden Tisch mit mir wollen, ist mir egal.
SPIEGEL: Was ist denn im ersten Halbjahr 2007 so komplett schiefgelaufen?
Klose: Da müsste ich weit ausholen und Leuten weh tun, denen ich nicht weh tun will. Diese Zeit kannst du ja nicht wiedergutmachen. Es klingt wie ein Klischee: Aber ich muss den Kopf frei haben, um gut zu spielen. Verstehen Sie? Ich schaue nach vorne.
SPIEGEL: Sie hatten sich zwei Tage vor dem Uefa-Cup-Halbfinale von Werder Bremen mit Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld getroffen. Können Sie die Empörung verstehen, die das in Bremen ausgelöst hat?
Klose: Natürlich war es ein Fehler, dass ich es versäumt habe, die Bremer Vereinsführung vorher über das Treffen zu informieren. Ich habe mich dafür entschuldigt.
SPIEGEL: Sie haben im Juni erklärt: "Ich glaube zu wissen, wer mir einen Seitenhieb verpassen will. Dazu werde ich zur gegebenen Zeit noch die passende Retourkutsche setzen."
Klose: Stimmt, das hatte ich vor. Aber ich möchte mich nicht auf dieses erbärmliche Niveau herablassen. Das Thema ist beendet. Bei dem Druck, den ich als Leistungssportler täglich spüre, muss ich den Kopf frei haben von diesen lästigen Gedanken. Jeder Sportpsychologe lehrt, dass man den Blick nach vorne nur schafft, wenn man mit der Vergangenheit abgeschlossen hat. Und das habe ich.
SPIEGEL: Kann man sich einfach entscheiden, die Vergangenheit zu vergessen?
Klose: Das ist eine Charakterfrage. Es ist so, als ob man eine Beziehung beendet. Wenn etwas zu Ende ist, ist es zu Ende. Ich bin ein Kopfmensch, auch auf dem Platz. Für mich ist es zum Beispiel sehr wichtig, wie schnell ich ein Spiel verarbeite. Wenn man beispielsweise während des Spiels aus zwei Metern das leere Tor nicht trifft, muss man das beim nächsten Schuss schon verdrängt haben. Du darfst nicht nach Hause kommen und dich fragen, was denken die anderen über mich, was wird die Presse wieder schreiben. Das muss dir egal sein.
SPIEGEL: Es gab in Ihrer Karriere immer wieder Phasen, in denen Sie keine Tore geschossen haben.
Klose: Als unsere Zwillinge vor knapp drei Jahren zur Welt kamen, konnte ich mich überhaupt nicht mehr auf den Fußball konzentrieren. Ich bin zum Training gefahren und war mit den Gedanken zu Hause. Damals habe ich mich auf dem Spielfeld nicht mehr wiedererkannt. Ich hätte nie gedacht, dass mich etwas so mitnehmen würde. Geholfen hat mir unser Nationalmannschaftspsychologe Hans-Dieter Hermann, der mir erklärte, warum ich mich nicht mehr konzentrieren kann und wie ich aus diesem Teufelskreis rauskomme.
SPIEGEL: Welche Gründe kann es noch für Formschwankungen geben?
Klose: Am schwierigsten ist es, ständig am Limit zu leben. Alle drei Tage ein Spiel - das schafft man nur, wenn man für den Beruf lebt. Viele Spieler bleiben einfach nicht dran, weil sie nach einer guten Saison denken, es geht so weiter. Dass das böse enden kann, habe ich selbst nach der WM 2002 erfahren. Da bin ich fast Torschützenkönig geworden und habe gedacht, jetzt kann ich mich gehenlassen. Dann war ich ein bisschen verletzt, bin nicht richtig in Schwung gekommen, und schon war die Krise da. Das war sehr lehrreich, denn heute weiß ich, dass ich mich keine Sekunde, keinen Millimeter zurücklehnen darf, sonst fährt der Zug ohne mich ab.
SPIEGEL: Ihr ehemaliger Trainer Thomas Schaaf hat gesagt, dass Sie vielleicht zu selbstkritisch sind.
Klose: Ich weiß schon, ob ich gut oder schlecht gespielt habe. Aber selbst wenn wir gewonnen haben, fällt mir noch ein, was man besser machen könnte. Da geht es mir wie vielen anderen Profis, man liegt schon mal wach.
SPIEGEL: Und was machen Sie dann?
Klose: Ich dehne mich immer noch, bevor ich mich ins Bett lege, weil das gut für die Regeneration ist. Dann versuche ich zu schlafen, aber die Szenen sind da, in denen man sich während des Spiels vielleicht hätte anders entscheiden müssen. Ich könnte aufzeichnen, wer wo gestanden hat. Im Spiel geht es um Millisekunden, und wenn man da die falsche Entscheidung getroffen hat, ärgert man sich. Bei Abendspielen schlafe ich vor drei oder vier Uhr nachts nie ein.
SPIEGEL: Sie sind nach einem Spiel nie zufrieden mit sich selbst?
Klose: Nein, es gibt immer irgendwelche Szenen, die noch besser hätten laufen können. Ich bin Perfektionist.
SPIEGEL: Im Oktober hat Bundestrainer Joachim Löw an Sie und Ihre Mannschaftskollegen den EM-Knigge verteilt, in dem Sie unter anderem nachlesen sollen, wo und wie Sie Ihr Spiel verbessern können. An was müssen Sie noch arbeiten?
Klose: So ein Buch gibt es vor jedem großen Event, da ist für mich nicht mehr so viel Neues zu entdecken. Ich arbeite auch ohne Buch täglich an mir.
SPIEGEL: DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hat kritisiert, dass es in der Bundesliga im Vergleich zur Nationalelf an Konzepten mangelt. Sehen Sie das genauso?
Klose: Bei Bayern ist alles genauso professionell. Oliver Schmidtlein, einer unserer Fitnesstrainer beim DFB, hat früher bei den Bayern gearbeitet. Sicherlich gibt es beim DFB immer wieder neue Übungen, aber am wichtigsten ist, ein Gefühl dafür zu kriegen, was mir guttut und was schadet. Mir zum Beispiel schadet zu viel Krafttraining.
SPIEGEL: Was tut Ihnen gut?
Klose: Alles, was der perfekten Konzentration dient. Bei der Nationalmannschaft gibt es eine Übung, bei der man an einem Apparat mit vielen Knöpfen in verschiedenen Farben sitzt. Wenn die Farben hintereinander aufleuchten, muss man möglichst schnell bestimmte Knöpfe drücken. Je weiter man kommt, desto mehr Reize kommen hinzu: hohe und tiefe Töne oder Pfeile, die nach rechts und links weisen. Wenn der Pfeil nach rechts geht, muss man eines der beiden Fußpedale bedienen und umgekehrt. Da kann ich sehr ehrgeizig sein. Horst Eckel, der Weltmeister aus dem 54er Team, hat vor ein paar Wochen zu mir gesagt: "Miro, du wärst auch zu meiner Zeit erfolgreich gewesen."
SPIEGEL: Wie meint er das?
Klose: Er meint, die Härte, mit der ich an mir selbst arbeite, imponiere ihm. Wir kennen uns gut aus meiner Zeit bei Kaiserslautern. Er verfolgt sehr genau, was gerade mit dem 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Liga passiert. Es ärgert ihn, wie unprofessionell der eine oder andere Spieler dort ist, auch außerhalb des Platzes. Ich muss auch noch an vielem arbeiten, aber Sie werden mich niemals außerhalb des Platzes austicken sehen.
SPIEGEL: Was macht Sie da so sicher?
Klose: Ich definiere mich nicht über den Fußball. Für mich gibt es andere Werte. Der Fußball ist das eine, und dann gibt es das andere Leben. Trotz Bayern München und dem ganzen Glamour drum herum zählt es für mich vor allem, normal zu bleiben, meine Mitmenschen zu respektieren und nicht den Anstand zu verlieren. Und das ist wahnsinnig schwer. Ich spiele gerne die Rolle des stillen Stars - ist das schlimm? Ohne die Unterstützung meiner Frau hätte ich es vielleicht nie so weit geschafft. Sylwia sorgt dafür, dass ich mich ausgewogen ernähre. Wir funktionieren blind.
SPIEGEL: Gibt es Sportler, die Sie als Geistesverwandte sehen?
Klose: Ich kann nur aus meinen Beobachtungen sprechen, aber ich glaube, bei Michael Schumacher war das nicht anders. Er hat seine Familie, seine Kinder, seine Frau. Das ist ihm wichtig. Über unsere Konten machen sich andere Leute viel mehr Gedanken als wir selbst.
SPIEGEL: Man hat den Eindruck, dass es da auch andere Spielertypen gibt.
Klose: Diese Jungs denken zu viel darüber nach, was andere Leute von ihnen halten. Ihnen ist es nicht egal, ob sie nun mit einem Skoda, Audi A3 oder was weiß ich zum Training vorfahren. O Gott, der ist Profi-Fußballer und fährt nur Corsa. Können Sie sich das vorstellen? Die fahren mit 22 Jahren Porsche. Und was machen sie mit 24? Irgendwann gibt es kein Limit mehr. Da fehlen mir die Worte.
SPIEGEL: Bayerns Manager Uli Hoeneß kritisiert Ihre jungen Kollegen für dieses Verhalten auch mal öffentlich. Bastian Schweinsteiger wollte er etwa "den Puderzucker" wieder rausklopfen, der ihm "in den Hintern geblasen" wurde.
Klose: Uli Hoeneß macht das gut. Er hat das richtige Händchen im Umgang mit den Spielern. Es gibt auch Situationen, in denen er uns öffentlich lobt. Er ist ein außergewöhnlicher Typ. Bayern kann froh sein.
SPIEGEL: Das erste Drittel der Saison des FC Bayern schien wie ein Erfolgsrausch zu sein. Davon ist nicht mehr viel zu spüren, vergangene Woche wurde sogar Oliver Kahn suspendiert, das Team scheint auseinanderzufallen.
Klose: Das ist meiner Meinung nach ein normaler Prozess. Nach der ersten Euphorie kommt jede neu zusammengestellte Mannschaft in eine Phase, in der sie beweisen muss, was wirklich in ihr steckt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir als Team Erfolg haben werden.
SPIEGEL: Sie verdienen rund zehn Millionen Euro jährlich. Denken Sie noch darüber nach, wie viel Geld Sie ausgeben?
Klose: Die Zahl haben Sie gesagt. Natürlich denke ich darüber nach, dass ich sehr viel Geld verdiene, warum soll ich lügen? Ich mache meinen Beruf auch, um Geld zu verdienen. Ich will so viel Geld verdienen, dass es nicht nur mir gutgeht, sondern auch meinen Kindern und vielleicht der nächsten Generation. Die Planung habe ich immer im Hinterkopf.
SPIEGEL: Sie haben nach Ihrer Aussiedlung 1987 mit Ihren Eltern erst mal im Grenzlager Friedland gelebt.
Klose: Ich weiß noch, wie wir vor der Schranke nach Deutschland gewartet haben; wir wussten, wir kommen jetzt in ein anderes Land, wir wussten nicht, wie die Zukunft aussieht, und es war klar, dass wir uns alles ganz neu erarbeiten müssen, aber uns ging es nicht anders als vielen anderen auch. Doch es wäre falsch zu sagen: Ich reiße mir den Hintern so auf, weil ich immer daran zurückdenke. Für mich ist auch meine Zimmermannslehre sehr wichtig - man weiß nie, was im Fußball passiert.
SPIEGEL: Welche Sprache sprechen Sie zu Hause?
Klose: Polnisch, auch die Kinder. Die sind jetzt im Kindergarten und lernen dort Deutsch. Wir wollten das so.
SPIEGEL: Sie klingen so klar und bestimmt, dass man sich fragt: Haben sich alle in Ihnen getäuscht? Die Presse beschrieb Sie mal als "Bambi, ein scheues Reh" oder als ein "Vogeljunges, das aus dem Nest gefallen ist".
Klose: Letztlich interessiert es mich nicht, wo mich die Leute plazieren. Die Journalisten sehen mich zumeist sowieso nur kurz, aber ich weiß, wie ich tatsächlich bin, und das ist das genaue Gegenteil davon. Ich sage durchaus meine Meinung, wenn mir was nicht passt, und kann ein ziemlich dickköpfiges Bambi sein.
SPIEGEL: Herr Klose, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Gespräch führten die Redakteure Christoph Biermann und Cathrin Gilbert
Quoted
„Rote Karte für Schwalben“
Deutschlands oberster Schiedsrichter Volker Roth kennt die Tücken des modernen Fußballs. Hier erklärt er die Nachteile der Torkamera, die Fallsucht in deutschen Stadien und die latente Gefahr der Spiel-Manipulation.
Kim Shattuck